Der Chor von St. Peter und Paul in Rauenberg hatte eingeladen zum Benefizkonzert für die Renovierung des Kirchturms, und so viele Musikbegeisterte kamen, dass das große Gotteshaus nahezu voll besetzt war. Es war wohl nicht nur der Zweck, die kostspielige Restauration des Wahrzeichens von Rauenberg zu unterstützen, sondern auch die Programmauswahl, die das zahlreiche Publikum angelockt hatte. Perlen aus der Musik des Barock, der Klassik und der Romantik waren ausgewählt worden; Vivaldi machte den Beginn mit seinem elegant strahlenden „Gloria“. Der große Reichtum der musikalischen Mittel und Kontraste, der Glanz von Oboe und Trompete und fein ziselierte, elegant tänzerische Sätze wie „Domine fili unigenite“ wurden von den Musizierenden sorgfältig gestaltet und schlugen so von Anfang an das Publikum in Bann.
Die Solisten, Annette Blatz-Braun als Sopran und der englische Altus Stanley Scott, kamen durch feine Gestaltung wie dem Werk angemessenem schlankem Klang geradezu ideal entgegen, und das stets wendig, ebenso klangvoll wie transparent spielende Orchester „Les Alouettes“ war ein aufmerksamer Partner der Solisten und des Chors. Der mit Projektsängern auf fast siebzig Singende angewachsene “Chor an St. Peter und Paul Rauenberg“ zeigte sich von seiner besten Seite: beweglich, mit homogenem Klang. Im warmen Pianissimo ebenso wie im strahlenden, doch immer eleganten Forte wusste er die Zuhörenden zu begeistern.
Zu den beliebtesten Werken der Barockmusik gehören die „Air“ mit ihren weit schwingenden Melodiebögen und die spritzige Gavotte aus Johann Sebastian Bachs Orchestersuite D-Dur BWV 1068. Hier zeigte das Orchester seine Fähigkeit zu intensiver Ausformung der melodischen Linien und leuchtender Klanggestalt.
In die musikalische Romantik tauchte das Programm ein, als der Bassbariton Dr. Uwe Schröder-Wildberg mit seiner warmen, voluminösen Stimme eines der Geistlichen Lieder von Antonín Dvořák, profund und unmittelbar anrührend gestaltete.
Joseph Haydns a-capella-Chorwerk „Du bist’s, dem Ruhm und Ehre gebühret“ präsentiert mächtigen Chorklang ebenso wie zart bittendes Gebet. Beidem wusste der Chor aufmerksam und klangschön gerecht zu werden
Das „Laudate Dominum“ von Wolfgang Amadeus Mozart ist eine Melodie, die vom Himmel herabgekommen zu sein scheint. Der Sopran von Annette Blatz-Braun verband sich mit dem Klangteppich des Chors und des Orchesters zu bezaubernder Einheit.
Das Konzert schloss mit zwei Stücken aus Haydns großem Oratorium „Die Schöpfung“: dem Duett „Von Deiner Güt, o Gott und Herr“ und dem Tutti-Satz „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes“, in dem Solistenterzett, Orchester und Chor als große Steigerung eindrucksvolle Klangpracht in der reichen Akustik des „Doms des Angelbachtals“ entfalteten, war ein treffliches Ende des Benefizkonzerts.
Der Kirchenmusiker an St. Peter und Paul, Prof. Franz Wassermann, Musikdirektor an der Universität Heidelberg, hatte das Ensemble sorgfältig einstudiert; er leitete Chor, Soli und Orchester aufmerksam und souverän, und die Freude der Musizierenden übertrug sich spürbar auf das Publikum. Dieses spendete stehend rauschenden Beifall und schenkte so seine Freude zurück.


